davinci bmbfDie Pflegebrille zur Unterstützung professionell und informell Pflegender

 

 

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Ziele und Konzept des Projektes

Thema und Motivation des Verbundprojektes

Das Projekt „Pflege mit Durchblick“ hat zum Ziel, mit Hilfe von Datenbrillen eine Lösung zu entwickeln, mit der professionell und informell Pflegende entlastet werden, ihre Zusammenarbeit verbessert wird, und die notwendige Reorganisation von Pflege hin zu einem stärkeren Einbezug von informell Pflegenden (Angehörigen oder Freunden) gefördert wird. Als Anwendungsfeld wurde die Intensivpflege heimbeatmeter Patienten gewählt, weil sie einen besonders komplexen Unterstützungsbedarf mit einem gleichzeitig hohen Potential der Unterstützung für die Lebensqualität aller Beteiligten verbindet.

Das Projekt nimmt aktuelle Entwicklungen in der Pflege auf: Zum einen rückt es den Fokus auf Personen im sozialen Umfeld pflegebedürftiger Menschen (informell Pflegende) und ihre Interaktion mit professionell Pflegenden (z.B. MitarbeiterInnen von Pflegediensten). Die Pflegebrille soll diesen Akteuren im Alltag helfen, gemeinsam die medizinisch-pflegerische Versorgung sicherzustellen und dabei für Pflegende und Patienten eine hohe Lebensqualität zu erreichen. Zum anderen wird mit der Intensivpflege ein immer wichtigerer Bereich adressiert: Immer mehr Pflege, die früher stationär durchgeführt wurde, wird heute und in Zukunft in der häuslichen Umgebung durchgeführt. So können heute Patienten, die bspw. ein Beatmungsgerät benötigen, zu Hause ein selbstbestimmtes Leben führen und werden dort versorgt. Dies erzeugt jedoch auch höhere Anforderungen an den Einsatz und die Kompetenzen der Pflegenden. Fragen der Zusammenarbeit professionell und informell Pflegender werden in diesem Zusammenhang bisher kaum betrachtet, sind jedoch hoch relevant.

Der Übergang von professioneller Pflege zu informeller Pflege ist oft schwierig, da die Kompetenzen der beteiligten Akteure stark divergieren. Professionell Pflegende verfügen über Fachwissen und Erfahrung darin, wie sie mit Pflegebedürftigen mit spezifischen Krankheitsbildern und speziellen Geräten, die diese benötigen, umzugehen haben. Durch häufigen Wechsel professionell Pflegender in der ambulanten Pflege entstehen Abstimmungsbedarfe mit Kollegen und Angehörigen, die nur durch zeitaufwändige Dokumentation gelöst werden können. Wechselnde Pflegekräfte kennen bisweilen Pflegebedürftige und ihre Wohnung nicht ausreichend, so dass Verzögerungen und der Eindruck eines Mangels an persönlichem Bezug entstehen. Informell Pflegende wie Angehörige haben eine enge Beziehung zu den Pflegebedürftigen, jedoch nicht das Fachwissen professionell Pflegender. Sie sind daher oft unsicher, ob sie Pflegeschritte richtig ausführen, oder sie sind überfordert, wenn neue oder besondere Situationen auftreten. Dies ist insbesondere der Fall, wenn sich der Gesundheitszustand oder die Geräteunterstützung von Pflegebedürftigen (akut) ändert oder wenn Pflege kurzzeitig, bspw. nach einem Krankenhausaufenthalt, erbracht werden muss. Lösungen, mit denen professionell und informell Pflegende ihre Kompetenzen und Kenntnisse miteinander verbinden und sich so in der Pflege besser koordinieren können, sind für eine bessere Verzahnung dieser Akteure notwendig.

Die vorgenannten Bedarfe und Problemlagen treffen besonders auf die Intensivpflege zu, die in „Pflege mit Durchblick“ besonders betrachtet werden soll (siehe auch Kasten „Anwendungsfeld Intensivpflege“ oben). Eine Indikation für ambulante Intensivpflege kann bei Kindern und Erwachsenen gegeben sein. Ursachen im Kindesalter stellen angeborene und erworbene Fehlbildungen, Unfälle oder schweren Infektionskrankheiten dar. Im Erwachsenenalter können schwere chronische Lungen- und Herzerkrankungen (z.B. respiratorische Insuffizienz, Hirninfarkt, COPD) und neurodegenerative Erkrankungen hinzukommen (Mecklenburg-Vorpommern 2013). Die Betreuung in den eigenen Räumlichkeiten ist derzeit die einzige Möglichkeit, betroffenen schwerstkranken Menschen eine möglichst hohe Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen. Sie ist jedoch mit hohen Kosten verbunden und führt zu psychosozialen Problemstellungen vielfältiger Art, die sich daraus ergeben, dass Pflegefachkräfte rund um die Uhr am Bett des Patienten sind, um bspw. Beatmungsgeräte im Auge zu behalten. Dies führt zudem zu einem erheblichen Eingriff in die Privat- und Persönlichkeitssphäre.

Gesamtziel des Projekts

In „Pflege mit Durchblick“ soll auf Basis der bereits am Markt verfügbaren Augmented Reality (AR)-Datenbrillen (bspw. „Google Glass“) ein Konzept entwickelt und umgesetzt werden, mit dem Datenbrillen sowohl von professionell als auch informell pflegenden Menschen als Hilfsmittel eingesetzt werden können, um pflegebedürftigen Menschen ein Höchstmaß aus Betreuung und Lebensqualität zu ermöglichen. Hierfür sollen die Datenbrillen so mit Software ausgestattet werden, dass sie als „Pflegebrille“ eine intuitiv benutzbare Kommunikationsschnittstelle zwischen den pflegenden Akteuren darstellen, die sich den jeweiligen Kompetenzen der Beteiligten anpassen. Sie sollen individuelle Anweisungen, Informationen und Funktionen liefern, die sowohl von professionellen und informellen Pflegekräften genutzt werden können, um bei der Pflege unterstützt zu werden und voneinander profitieren zu können. Die Grundidee ist, dass in der Wohnung von Pflegebedürftigen eine Brille für alle Pflegenden vorhanden ist, die individuell unterschiedliche Informationen zur Erleichterung und Verbesserung der Pflege anzeigt und darüber hinaus die Zusammenarbeit der verschiedenen Pflegenden unterstützt. Diese Brille ist mit einer Basisstation in der Wohnung zur Übermittlung von Nachrichten und Aufgaben, mit einem Pflegeleitstand zum Abruf von Inhalten wie Anleitungen und mit Experten zur Unterstützung verbunden. Professionell wie informell Pflegende erhalten hierdurch vielfältige Unterstützung.

Die Umsetzung dieses Konzepts soll entlang folgender Ziele verfolgt werden:

  1. Analyse der Einsatzmöglichkeiten und Anforderungen von Datenbrillen zur Entlastung von professionell und informell Pflegenden zur Umsetzung der Vorteile von Datenbrillen in der Pflege.
  2. Analyse der Effekte von Datenbrillen in der Pflege auf Aufgaben professionell und informell Pflegender (Qualität, Effizient, Sicherheit) und ihre Zusammenarbeit (Koordination, Effizienz).
  3. Erweiterung von Pflege- und Dienstleistungsprozessen und Gestaltung neuer Prozesse durch Nutzung der Pflegebrille: Verbesserung von Prozessen (Qualität, Ablauf, Aufwand) und Möglichkeiten zur Gestaltung neuer Pflege- und Dienstleistungsprozesse (bspw. Remote-Unterstützung durch Pflegeleitstand).
  4. Gestaltung und Umsetzung von Dienstleistungs- und Geschäftsmodellen für den Einsatz von Datenbrillen in der Pflege, um mit Abschluss des Projektes eine marktreife Lösung anzubieten.
  5. Konformität der Lösung mit Datenschutz- und Datensicherheitsbestimmungen, um den Einsatz im sensiblen Feld der Pflege zu ermöglichen und unerwünschte Weitergabe von Daten an Dritte zu verhindern.

 

logo_rub Informations- und Technikmanagement (IMTM)

Ansprechpartner:

Michael KsollE-MailTel.: 0234/32-24432 

Prof. Dr.-Ing. Thomas Herrmann,

E-Mail , Tel.: 0234/32-27720

1 iTiZZiMO AG

Ansprechpartner:

Martin Nehls, E-Mail ,Tel.: +4993130699261

1 eins:eins Intensivpflege GmbH

Ansprechpartner:

Thomas Neukirch, E-Mail, Tel.: +492501963530

3 Zentrum für Telemedizin

Ansprechpartner:

Asarnusch Rashid, E-Mail , Tel.: +4997178552923

4 Hamburger Fernhochschule

Ansprechpartner:

Heinrich Recken, E-Mail , Tel.: +4920131974593